Evidenz in Not – wie Wissenschaft Politik erreicht

Wie kann Wissenschaft die Politik erreichen? Das war die zentrale Frage des 20. IQWiG-Herbst-Symposiums. Rund 200 Gäste diskutierten im smartvillage in Köln-Mülheim über mögliche Strategien.

Zum Auftakt des Symposiums am 28. November 2025 skizzierte IQWiG-Leiter Thomas Kaiser zentrale Fragestellungen des Tages: Wie lässt sich mit etwas bewegen? Wie schafft man es, dass die wissenschaftliche Arbeit einen noch größeren Impact bekommt für die Menschen? Wichtige Punkte, denen sich Referentinnen und Referenten sowie das Publikum aus verschiedenen Blickwinkeln näherten: Gäste aus Forschung und Gesundheitspolitik waren ebenso vertreten wie die Medien- und Patientenperspektive.

In einer Keynote wies Helena Ludwig-Walz vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) darauf hin, dass es zwar so viel Evidenz gibt wie vielleicht nie zuvor – trotzdem aber eine Lücke klafft zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und politischen Entscheidungen: Denn gute Evidenz ist wertlos, wenn sie nicht richtig kommuniziert wird. Konkrete Eindrücke aus dem Politikalltag lieferten der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich (jetzt Pharma Deutschland e. V.), die Ex-Gesundheitsministerin von NRW, Barbara Steffens (Grüne, jetzt TK) und Boris Velter (SPD, ehemaliger Leitungsstab Bundesgesundheitsministerium). Wissenschaft sollte stets den Diskurs anbieten, so die Empfehlung, auch wenn das nicht immer leicht sei.

Tipps und Tricks, mit denen sich verhindern lässt, dass gute Evidenz ins Leere läuft, lieferte Tanja Kuchenmüller von der (WHO). Knackig und knapp sollten Botschaften sein, präzise zugeschnitten auf den jeweiligen Adressaten. Zweiter Impulsgeber aus dem Ausland: Paul Cairney, Politologe an der University of Stirling in Schottland. Er plädierte für realistische Strategien: Logiken der Politik durchdringen, Botschaften zuspitzen und an bestehende Narrative anknüpfen. Der Politikberater Johannes Hillje lenkte den Blick auf die Medienlogik: So müssten Themen nicht nur Relevanz, sondern auch Salienz – also Auffälligkeit – aufweisen, um auf die Agenda zu gelangen. Eva Rehfuess von der LMU München rief dazu auf, die Politik frühzeitig in den Forschungsprozess einzubeziehen.

Große Herausforderungen also für die Wissenschaft, doch kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, betonte Michaela Eikermann, stellvertretende IQWiG-Leiterin, zum Abschluss des Symposiums. Ihr Fazit: Die Wissenschaft sollte vor allem Lösungsansätze aufzeigen, statt zu stark problemorientiert zu sein.

Bild von Paul Cairney von der University of Stirling, Schottland.
Martin Bujard und Helena Ludwig-Walz vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB).
IQWiG-Leiter Thomas Kaiser (l.) im Gespräch mit Claudia Finis (DOIG, r.) und Josef Schepers.
Tina Vogel, BMG
Andreas Lehr (Observer Gesundheit)
IQWiG-Leiter Thomas Kaiser
Barbara Steffens (TK, ehemalige NRW-Gesundheitsministerin)
Blick ins Publikum
Dimitra Panteli vom Research Hub of the European Observatory on Health Systems and Policies
Blick ins Publikum
Thomas Kaiser im Gespräch mit dem Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje (l.).
Bild von Michaela Eikermann, stellvertretende Leiterin des IQWiG

Jahresbericht 2025