IQWiG-Datensymposium

Auf der Suche nach Lösungen für den stationären Sektor

Austausch und Vernetzung standen im Mittelpunkt des IQWiG-Datensymposiums. Ein neues Format, das Datennutzer und Datenhalter zusammenbringen sollte, um gemeinsam Lösungen für den stationären Sektor zu erarbeiten. Rund 160 Teilnehmende zählte das Symposium – digital und vor Ort in den Institutsräumen in Köln.

Beleuchtet wurde das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven – zum Auftakt ging es um die Perspektive der Datennutzer: Esra Eren Bayindir von der Universität Hamburg verwies in ihrem Vortrag auf hohe Hürden, mit denen Forschende in Deutschland beim Thema Datenzugang zu kämpfen hätten: Die Daten seien gut, der Zugang kompliziert.

Ulrike Nimptsch von der Technischen Universität Berlin stellte Krankenhausabrechnungsdaten den Informationen der Forschungsdatenzentren gegenüber und warb für einen pragmatischen Ansatz: „Je nach Fragestellung sollten wir schauen, was an Daten verfügbar ist und wie man damit bestmöglich arbeiten kann, um die Qualität der Versorgung zu verbessern.“

Julian Witte von Vandage – einem Unternehmen, das sich auf datenbasierte Analysen im Gesundheitswesen spezialisiert hat – sprach als kommerzieller, forschungsnaher Datennutzer und brachte drei Wünsche vor: Vollständigkeit, Qualität und Aktualität. Zudem plädierte er für einen breiteren Zugang zu Forschungsdaten, nicht zuletzt aus standort- und wirtschaftspolitischen Gründen.

Sarah Mostardt aus dem IQWiG-Ressort Gesundheitsökonomie skizzierte die ersten Aufträge zur Festlegung von Mindestvorhaltezahlen für Leistungsgruppen in Krankenhäusern, die das Institut vom Bundesgesundheitsministerium erhalten hat. Auch aus IQWiG-Sicht, so das Fazit, sei noch einiges optimierbar. Stichworte hier: der Abbau bürokratischer Hürden und ein barrierefreier Datenzugang.

„Wir generieren zu wenig Erkenntnis“

Die Sichtweise der Datenhalter referierte Jennifer Pohle vom IQTIG. Ein Fokus ihres Vortrags: das Thema der Datenverknüpfung. Das lag auch Christian Brachem (FDZ-Gesundheit /BfArM) am Herzen, der von „in Silos verstreuten Daten“ sprach und zugleich auf das Spannungsfeld zwischen Datenschutz und -nutzung verwies. Stefan Kwast vom Helios Health Institute lieferte konkrete Beispiele aus dem Krankenhausalltag und schilderte den Aufbau einer zentralen Datenbank für die 85 Helios-Kliniken bundesweit, die für Qualitätssicherungs-, Controlling und Forschungszwecke genutzt wird.

Dirk Horenkamp-Sonntag von der Techniker Krankenkasse informierte über Herausforderungen und Grenzen bei der Versorgungsforschung mit GKV-Routinedaten. Als skurrile Beispiele aus der Abrechnungsstatistik nannte er etwa Geburten bei Männern, U-Untersuchungen bei Rentnern oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen für Erwerbslose. Roland Nagel von den Gesundheitsforen Leipzig monierte in seinem Vortrag vor allem, dass Deutschland zwar über umfangreiche Versorgungsdaten verfüge, diese zur Steuerung der Versorgung aber nur unzureichend nutze. „Wir generieren zu wenig Erkenntnis“, so Nagels Kritik.

Impulse aus dem BMG und Abschlussdiskussion

Ira Miessler aus dem Bundesgesundheitsministerium schließlich präsentierte die Vision eines vernetzten Gesundheitsdatenökosystems auf europäischer Ebene: Ein Raum zum Austausch und zur Nutzung von Daten zwischen gleichberechtigten Partnern also, mit einheitlichen Standards und Regeln für alle Beteiligten. Dieser soll die Zugänglichkeit der Daten sowie deren Verknüpfbarkeit erleichtern (Stichwort: Unique ID).

In der gemeinsamen Abschlussdiskussion wurde vor allem eines deutlich: An den Daten per se fehlt es nicht, vielmehr brauche es eine effektivere Nutzung der bereits vorhandenen Quellen. Vor allem an der Verknüpfbarkeit mangele es, außerdem sei der Zugangsprozess oft zäh und langwierig, gespickt mit hohen bürokratischen Hürden.

Und in noch einem waren sich die Teilnehmenden einig: Es brauche dringend mehr Formate wie das IQWiG-Datensymposium, um den Austausch zwischen den beteiligten Akteuren zu fördern und das Ziel eines besseren und schnelleren Datenzugangs für die Versorgungsforschung gemeinsam voranzutreiben.

Tim Mathes
Esra Eren Bayindir
Ulrike Nimptsch
Julian Witte
Vortrag von Sarah Mostardt
Jennifer Pohle
Christian Brachem
Stefan Kwast
Mittagspause im IQWiG-Innenhof
Dirk Horenkamp-Sonntag
Roland Nagel
Menschen in Gespräche vertieft
Ira Miessler, Bundesministerium für Gesundheit
Abschlussdiskussion des IQWiG-Datensymposiums