Antibiotikatherapie: Ist kürzer genauso wirksam?

Bei Kindern mit ambulant erworbener Lungenentzündung zeigt eine kürzere Antibiotikatherapie vergleichbare Erfolge wie eine längere. Eine generelle Aussage zu verkürzten Einnahmedauern ist jedoch nicht möglich.

In einem ThemenCheck-Bericht bewertete ein Wissenschaftsteam unter der Leitung der Universität Freiburg anhand von zwei Erkrankungen im Auftrag des IQWiG, ob eine verkürzte Einnahmedauer von Antibiotika zu vergleichbaren Behandlungsergebnissen führt wie eine längere:

Bei Kindern mit ambulant erworbener Lungenentzündung führt eine kürzere Behandlungsdauer zu einem vergleichbaren Therapieerfolg wie eine längere Antibiotika­behandlung. Kinder hatten bei einer dreitägigen Behandlung weniger Nebenwirkungen, z. B. Magen-Darm-Infekte, als Kinder nach fünftägiger Behandlung. Für die Endpunkte Wiederauftreten und zeigte sich kein Anhaltspunkt für eine der kürzeren Antibiotikatherapie.

Für Erwachsene und Jugendliche mit ambulant erworbener Lungenentzündung fehlten Studien, in denen eine kürzere Antibiotikatherapie mit einer herkömmlichen Dauer verglichen werden.

Solche Studien wären aber dringend nötig und sind auch machbar, wie hier die Studienlage bei Kindern zeigt“, betont Corinna Schaefer, Leiterin des IQWiG-Ressorts Versorgung und Leitlinien. „Denn ein bewusster und möglichst sparsamer Umgang mit Antibiotika ist angesichts der zunehmenden Resistenzen wichtig.

Corinna Schaefer, Leiterin des IQWiG-Ressorts Versorgung und Leitlinien

Für die akute Mittelohrentzündung bei Kindern im Alter zwischen einem Monat und 14 Jahren zeigte sich weder für den Therapieerfolg noch für die Endpunkte Wiederauftreten der Infektion, unerwünschte Ereignisse oder Mortalität ein Anhaltspunkt für eine Nichtunterlegenheit der kürzeren Therapiedauer bei einem der sieben in Deutschland zugelassenen Antibiotika. Dies bedeutet nicht etwa, dass die kürzere Therapiedauer unterlegen ist, sondern nur, dass es keinen sicheren Nachweis gibt, ob sie gleichwertig ist.

Zusammenfassendes Fazit aus Sicht des IQWiG

Eine generelle Aussage zu einer verkürzten Einnahmedauer von Antibiotika war nicht möglich. Auch für die im ThemenCheck-Bericht untersuchten Erkrankungen (akute Mittelohrentzündung und ambulant erworbene Lungenentzündung) zeigte sich kein einheitliches Bild.

Vor dem Hintergrund dieser unsicheren Ergebnisse ist für die Wahl des Therapieregimes – etwa bei akuter Mittelohrentzündung – eine gemeinsame Entscheidungsfindung nötig, bei der nicht nur individuelle (z. B. unerwünschte Wirkungen, Therapietreue, Therapieerfolg), sondern auch Public-Health-Aspekte (antibiotic stewardship) eine Rolle spielen können.

Offen blieben auch folgende Fragen: Welche Einnahmedauer ist für weitere Antibiotika, Altersgruppen und Indikationen aus Perspektive der Nutzenbewertung und der gesundheitsökonomischen Bewertung optimal? Welche (verkürzte) Therapiedauer ist am besten geeignet?

Jahresbericht 2025