Was, wenn die wichtigsten Quellen für medizinische Evidenz ausfallen?
In einem gemeinsam mit G-BA und Cochrane Deutschland entwickelten Positionspapier geht das IQWiG der Frage nach, wie wissenschaftliche Informationsbeschaffung bei einem Ausfall der US-Datenbanken PubMed und ClinicalTrials.gov funktionieren könnte.
Die medizinische Literaturrecherche in Deutschland stützt sich vor allem auf frei zugängliche Informationsangebote in den USA, die bisher ohne Alternative sind. Mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und Cochrane Deutschland prüft das IQWiG seit 2025 Handlungsoptionen für das professionelle Information Retrieval in deutschen und anderen internationalen Quellen.
Anlass für das Positionspapier zu den „Auswirkungen der USA-Politik auf die medizinische Literaturrecherche“ im August 2025 sowie der Aktualisierung im Januar 2026 waren Entscheidungen der US-Wissenschaftspolitik über finanzielle und personelle Kürzungen bei den Behörden des United States Department of Health and Human Services mit nicht nur weitreichenden Folgen für die US-Wissenschaft, sondern womöglich auch für die Gesundheitsforschung in Deutschland und der ganzen Wissenschaftswelt. Bisher sehr wichtige medizinische Datenbanken für die Wissenschaft wären nur noch kostenpflichtig oder gar nicht mehr verfügbar: die bibliografische Datenbank PubMed (MEDLINE) und das Studienregister ClinicalTrials.gov.
Was ginge ohne MEDLINE und ClinicalTrials?
Der Archivbestand der bibliografischen Datenbank PubMed der National Library of Medicine (NLM) bliebe bei einem Ausfall zunächst noch über andere Quellen zugänglich, sodass die wahre Informationslücke erst später offensichtlich würde. Doch könnten andere Datenbanken oder deren kombinierte Abfrage die Inhalte von PubMed letztlich nicht vollständig ersetzen. Eine Kombination aus einer medizinischen bibliografischen Datenbank wie EMBASE (kostenpflichtig) und dem Datenbestand aus Crossref (z. B. über die Suchoberfläche „Lens“) wäre derzeit die einzige Zugriffsoption für den MEDLINE-Datenbestand, wenngleich in Teilen kostenpflichtig und aufwendiger.
Das US-Register für klinische Studien, ClinicalTrials.gov, liefert auch Studienergebnisse. Dieser Archivbestand dürfte über das WHO ICTRP Search Portal weiterhin auffindbar sein, allerdings nur als Aggregat der originalen ClinicalTrials.gov-Einträge. Die Angaben zu Studienergebnissen und im Register abgelegte Dokumente würden bei Ausfall des Studienregisters fehlen. Eine vergleichbare Studienregistrierung könnte perspektivisch nur über nationale Studienregister wie das Deutsche Register Klinischer Studien (DRKS) oder über das internationale Studienregister ISRCTN erfolgen.