Publikationen
Evidenzbasierte Gesundheitsinformationen effizient erstellen und aktualisieren
Die Erstellung von Gesundheitsinformationen ist ein IQWiG-Service im gesetzlichen Auftrag: Unabhängiges und fundiertes Wissen allgemeinverständlich aufbereitet steht über die Website Gesundheitsinformation.de (mit InformedHealth.org in Englisch) allen Bürgerinnen und Bürgern frei zur Verfügung. Das Angebot umfasst evidenzbasierte Informationen zu mehr als 300 Krankheitsbildern auf Basis der häufigsten Diagnosen. Grundlegende Informationen zum Körper und zum Gesundheitswesen, zahlreiche Entscheidungshilfen für den Arztbesuch sowie vieles mehr ergänzen die Palette. Die Gesundheitsinformationen basieren auf dem wissenschaftlichen Kenntnisstand und werden regelmäßig aktualisiert, in der Regel nach drei Jahren.
Ein Beitrag in der Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen beschreibt ausführlich den mehrschrittigen Aktualisierungsprozess der Gesundheitsinformationen: von der Recherche und Aufarbeitung der medizinischen Evidenz weltweit zu einem Thema, über die Texterstellung, redaktionelle Überarbeitungen bis hin zur Übersetzung und Publikation.
Viele regelmäßige Updates benötigen nur geringfügige Änderungen. Deshalb evaluiert das IQWiG derzeit den Aufwand für den Aktualisierungsprozess insgesamt und prüft das Straffungspotenzial einzelner Arbeitsschritte. Das erklärte Ziel ist, mit den vorhandenen Ressourcen mehr Gesundheitsinformationen ohne relevanten Qualitätsverlust zu erstellen und zu aktualisieren.
zum Artikel
Schröer-Günther M, Koch K, Scheike I. Taking a look behind the scenes: Updating health information on Gesundheitsinformation.de. Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes 2025. https://doi.org/10.1016/j.zefq.2025.04.002.
Internationale Zusammenarbeit zur Stärkung von PROs
Das IQWiG engagiert sich in zwei Initiativen.
Patientenberichtete Endpunkte (Patient Reported Outcomes; PROs) wie Symptome oder gesundheitsbezogene Lebensqualität sind wesentliche Kriterien für die Bewertung neuer Arzneimittel, beispielsweise von Krebsmedikamenten. Damit PROs sinnvoll eingesetzt werden können, müssen sie aber wie alle anderen Endpunkte adäquat geplant, erhoben, ausgewertet und berichtet werden.
Vor diesem Hintergrund arbeitet das IQWiG gezielt an internationalen Initiativen mit, um die methodischen Grundlagen für PROs weiterzuentwickeln und ihre Nutzung in Studien und Entscheidungen zu verbessern. Aus dieser Zusammenarbeit sind zwei zentrale Projekte hervorgegangen, deren Ergebnisse jeweils in wissenschaftlichen Publikationen in The Lancet Oncology veröffentlicht wurden:
Ein Projekt ist ein gemeinsamer Workshop der European Medicines Agency (EMA) und der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC). Das IQWiG war hier gemeinsam mit Fachgesellschaften, Patientinnen und Patienten, Zulassungsbehörden, weiteren HTA-Organisationen und der Industrie beteiligt. Ziel war es, die Rolle von PROs in regulatorischen Entscheidungen zu stärken. Die Teilnehmenden arbeiteten heraus, dass PROs so erhoben werden müssen, dass ein fairer Vergleich zwischen dem neuen Arzneimittel und dem bisherigen Therapiestandard möglich ist – auch über einen längeren Zeitraum, insbesondere über das Fortschreiten der Erkrankung hinaus. Einheitliche Erhebungsstandards erleichtern zudem die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zwischen verschiedenen Studien. Und nur dann werden indirekte Vergleiche auch zwischen verschiedenen Therapieoptionen möglich. Die Ergebnisse dieses Austauschs wurden 2025 in The Lancet Oncology veröffentlicht, Mitautorin war Beate Wieseler, Leiterin des IQWiG-Ressorts Arzneimittelbewertung.
Zum Artikel
Pe M, Voltz-Girolt C, Bell J et al. (unter Beteiligung des IQWiG). Using patient-reported outcomes and health-related quality of life data in regulatory decisions on cancer treatment: highlights from an EMA-EORTC workshop. Lancet Oncol 2025; 26(6): 687–690. https://doi.org/10.1016/S1470-2045(25)00150-0
Ein zweites, umfangreicheres Projekt ist die Initiative SISAQOL-IMI („Setting International Standards in Analysing Patient-Reported Outcomes and Quality of Life Endpoints in Cancer Clinical Trials“). Ziel dieser Initiative ist es, konkrete und konsentierte methodische Leitlinien für den Einsatz von PROs in klinischen Krebsstudien zu entwickeln. Zwischen 2021 und 2025 wurden insgesamt 146 konsentierte Empfehlungen erarbeitet. Diese betreffen die Planung, Analyse, Interpretation und Darstellung von PRO-Daten. Die Ergebnisse wurden ebenfalls 2025 in The Lancet Oncology publiziert, Mitautor war Ulrich Grouven aus dem IQWiG-Ressort Medizinische Biometrie.
Zum Artikel
Amdal CD, Falk RS, Alanya A et al. (unter Beteiligung des IQWiG). SISAQOL-IMI consensus-based guidelines to design, analyse, interpret, and present patient-reported outcomes in cancer clinical trials. Lancet Oncol 2025; 26(12): e683–e693. https://doi.org/10.1016/S1470-2045(25)00520-0
Beide Initiativen zeigen, warum sich das IQWiG an internationaler Zusammenarbeit beteiligt: Nur durch abgestimmte Standards lässt sich sicherstellen, dass PROs zuverlässig erhoben und sinnvoll interpretiert werden können. Dies ist eine Voraussetzung dafür, Nutzen und Risiken von Therapien aus Patientensicht angemessen zu bewerten. Die beiden Publikationen leisten hierzu einen wichtigen Beitrag.