Erkenntnisse durch Evidenz-Übertragung
Das IQWiG entwickelte 2025 ein Verfahren, mit dem sich auch bei kleinen Fallzahlen und ohne aussagekräftige Studien beurteilen lässt, ob bei ausgewählten Behandlungen ein Zusammenhang zwischen Leistungsmenge und Behandlungsqualität besteht.
Um die Behandlungsqualität bei komplexen, risikoreichen und planbaren Krankenhausbehandlungen zu verbessern, gelten in Deutschland für bestimmte Interventionen Mindestmengen. Voraussetzung dafür sind präzise und verlässliche Studien, die einen wahrscheinlichen Zusammenhang zwischen Menge und Qualität belegen. Für risikoreiche Eingriffe bei seltenen Erkrankungen fehlen solche Studien jedoch oft, da die Fallzahlen pro Krankenhaus gering sind.
Vor diesem Hintergrund entwickelte das IQWiG 2025 ein methodisches Vorgehen, um den Zusammenhang zwischen Leistungsmenge und Behandlungsqualität auch bei seltenen Eingriffen zu bewerten: Fehlen für eine Leistung verlässliche Studien, soll Evidenz aus anderen Populationen oder Interventionen auf den seltenen Eingriff übertragen werden. Entscheidend für die Übertragbarkeit sind klinische und verfahrensbezogene Überlegungen, die sich an der jeweiligen Fragestellung orientieren. Das IQWiG erstellte dazu einen Kriterienkatalog, der Unterschiede zwischen Populationen und Interventionen abwägt und die Übertragbarkeit bewertet.
Corinna Schaefer, Leiterin des IQWiG-Ressorts Versorgung und Leitlinien: „Fehlen bei kleinen Fallzahlen aussagekräftige Studien zum Zusammenhang zwischen Leistungsmenge und Behandlungsqualität, prüfen wir jetzt, ob Ergebnisse aus Studien zu ähnlichen Patientengruppen oder zu ähnlichen Eingriffen auf die seltene Erkrankung übertragen werden können.“
