Wie sich das Nutzerverhalten auf den IQWiG-Webseiten verändert

KI-Antworten werden zum neuen Einstiegspunkt für Gesundheitsinformationen – mit spürbaren Folgen für Reichweite und Zugriffe. Umso wichtiger ist es, dass verlässliche, evidenzbasierte Inhalte in diesen Systemen präsent bleiben und ihre Quellen erkennbar sind.

Jens Flintrop, Leiter des Stabsbereichs Kommunikation

Immer mehr Menschen suchen Informationen direkt über KI-Systeme wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity. Andere nutzen weiterhin Suchmaschinen wie Google, begnügen sich dort aber mit den KI-Übersichten und klicken seltener auf die einzelnen Suchergebnisse.

Künstliche Intelligenz (KI) ist inzwischen regelhafter Bestandteil der digitalen Welt, oft beabsichtigt, manchmal unvermeidlich. Seit Ende März 2025 liefert Google in Deutschland bei Suchanfragen KI-generierte Antworten, erstellt von der Google-KI Gemini. Diese Neuerung hat das Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer spürbar verändert: Viele verlassen sich auf die KI-Antworten und ignorieren die dahinter liegenden Webseiten, aus denen die Google-KI die Antwort abgeleitet hat. Gleichzeitig bedienen sich immer mehr Menschen direkt bei KI-Systemen, um ihren Wissensdurst zu stillen. Beide Trends beeinflussen die Zugriffszahlen herkömmlicher Webseiten und haben zu einem deutlichen Einbruch der Zugriffszahlen aller Anbieter von webbasierten Informationen zu Gesundheitsthemen geführt.

Bei www.iqwig.de war dieser Effekt im Jahr 2025 kaum spürbar. Komplexer ist die Situation bei www.gesundheitsinformation.de – die Website, über die das IQWiG Bürgerinnen und Bürgern unabhängige, evidenzbasierte Antworten auf häufige Gesundheitsfragen gibt. Hier bieten sich verschiedene Blickwinkel an:

  • Schaut man nur auf die direkten Zugriffe auf www.gesundheitsinformation.de, sank die Zahl der Besuche im zweiten Quartal 2025 von 3,7 Millionen im Januar 2025 auf (immer noch zahlreiche) 1,9 Millionen im Juni desselben Jahres. Im Dezember 2025 lag die Zahl der Besuche bei 1,5Millionen.
  • Betrachtet man die Zahl der Zugriffe auf www.gesundheitsinformation.de über die Content-Partner, sind diese Zahlen relativ stabil geblieben. Im Januar 2025 waren es 485 000, im Juni 474 000 und im Dezember 447 000 Besuche.
  • Die Entwicklung der Zugriffszahlen der englischsprachigen Version, www.informedhealth.org, ist sogar leicht gegenläufig. Die Direktzugriffe sind stabil geblieben, die Zugriffe über unsere US-amerikanische Content-Partnerin, die National Library of Medicine, eine Institution des National Institutes of Health, haben zugenommen. Konkret: Lag die Zahl der Besuche im Januar bei 1,62 Millionen, stieg sie im Juni auf 1,64 Millionen und im Dezember auf 1,8 Millionen.

Addiert man alle direkten Besuche und Besuche über Content-Partner, dann sieht die Entwicklung wie folgt aus: Von 5,49 Millionen Besuchen im Januar 2025 sank die Zahl im Juni auf 4,03 Millionen und lag im Dezember 2025 bei 3,82 Millionen.

Interessant ist auch, dass die Seitenbesuche bei www.gesundheitsinformation.de zwar rückläufig sind, die Verweildauer aber zunimmt. Daraus lässt sich schließen, dass Klicks auf Treffer bewusster erfolgen.

Darüber hinaus ist zu beobachten, dass die evidenzbasierten Informationen von www.gesundheitsinformation.de sehr häufig in der Google-KI-Übersicht auftauchen. Das zeigt, dass Google die Relevanz und Verlässlichkeit der IQWiG-Informationen weiterhin hoch einschätzt und dass die Informationen für den Google-Algorithmus weiterhin gut auffindbar sind.

Angesichts des sich verändernden Nutzungsverhaltens mittels Suchmaschinen im Internet prüft das IQWiG derzeit, wie es seinem Auftrag künftig verstärkt über andere Nutzungskanäle nachkommen kann. Gleichzeitig arbeitet das Institut daran, seine hochwertigen Informationen möglichst gut nutzbar für die KI-Übersichtsantworten zu machen. Dafür setzt es auf GEO (Generative Engine Optimization), also die gezielte Optimierung seiner Webseiten, damit KI-gestützte Suchmaschinen die Inhalte der IQWiG-Webseiten bevorzugt als Quelle verwenden.

Jahresbericht 2025