21.05.2021

Depressionen bei Kindern und Jugendlichen: Führt Psychotherapie im Vergleich zu anderen Therapien zu besseren Ergebnissen?

Vorläufiger HTA-Bericht vergleicht die Psychotherapie mit Wartelisten-Kontrollgruppen bzw. „üblicher Versorgung“ und mit medikamentösen Therapien. Bitte um Stellungnahmen bis zum 22.06.2021

Im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersuchen derzeit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Donau-Universität Krems, ob eine Psychotherapie (kognitive Verhaltenstherapie, psychodynamische oder interpersonelle Psychotherapie) zur Behandlung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu anderen Therapien zu besseren Resultaten führt. Ein vorläufiges Ergebnis ihrer Bewertung: Die untersuchten psychotherapeutischen Verfahren scheinen gegenüber der Verordnung von Antidepressiva nicht schlechter abzuschneiden.

Zu diesem vorläufigen bittet das IQWiG nun um Stellungnahmen bis zum 22.06.2021. Es handelt sich dabei um eine (engl. = HTA) im Rahmen des IQWiG-Verfahrens ThemenCheck Medizin. Die Fragestellungen dieser HTA-Berichte gehen stets auf Vorschläge von Bürgerinnen und Bürgern zurück.

Anfrage einer Bürgerin als Ausgangspunkt des Berichts

Ausgangspunkt des jetzt vorliegenden vorläufigen HTA-Berichts war die beim ThemenCheck Medizin gestellte Frage einer Bürgerin, ob das Abwarten und Beobachten bei ersten depressiven Symptomen bei Kindern und Jugendlichen einer psychotherapeutischen oder medikamentösen Therapie vorzuziehen sei. Weltweit sind etwa 2,6 % der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren von Depressionen betroffen.

Psychotherapie schneidet gegenüber Antidepressiva nicht schlechter ab

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten zur Wirksamkeit und Sicherheit von Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen mit Depression 13 systematische Übersichten mit Daten aus 150 Primärstudien in den vorliegenden einschließen und auswerten.

Im Vergleich mit inaktiven Kontrollen können depressive Symptome demnach mit den untersuchten psychotherapeutischen Verfahren günstig beeinflusst werden. Inwiefern auch das Suizidrisiko verändert werden kann, bleibt jedoch offen. Die untersuchten psychotherapeutischen Verfahren scheinen gegenüber der Verordnung von Antidepressiva nicht schlechter abzuschneiden. Psychotherapie wird von vielen Kindern, Jugendlichen und Eltern im Vergleich zu einer Behandlung mit Antidepressiva als nebenwirkungsärmer wahrgenommen.

Das IQWiG bittet um Stellungnahmen

Zu dem nun vorliegenden vorläufigen bittet das IQWiG bis zum 22.06.2021 um Stellungnahmen. Stellungnahmen können alle interessierten Personen, Institutionen und (Fach-)Gesellschaften abgeben. Gegebenenfalls führt das IQWiG eine wissenschaftliche Erörterung durch – zur Klärung von weitergehenden Fragen aus den schriftlichen Stellungnahmen. Die kann zu Änderungen und/oder Ergänzungen des vorläufigen HTA-Berichts führen.

Die HTA-Berichte im Rahmen des ThemenCheck Medizin werden nicht vom IQWiG selbst verfasst, sondern von externen Sachverständigen. Deren Bewertung wird gemeinsam mit einer allgemein verständlichen Kurzfassung (HTA kompakt) und einem IQWiG-Herausgeberkommentar veröffentlicht.

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