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Feuerprobe bestanden – die Effizienzgrenze

Das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz legte 2007 die gesetzliche Basis dafür, dass für Arzneimittel so genannte Höchstbeträge empfohlen werden sollten. Für das IQWiG bedeutete dies den Startschuss für eine intensive Arbeitsphase zur Ausgestaltung sogenannter Kosten-Nutzen-Bewertungen.

Methoden erarbeitet

Es galt, eine auf das deutsche System zugeschnittene wissenschaftliche Methode zu entwickeln, die es ermöglicht, den Nutzen von Arzneimitteln in ein direktes Verhältnis zu deren Kosten zu setzen. Mit Unterstützung internationaler Experten erarbeitete das Institut auf der Grundlage damals bekannter Ansätze seine Methode der Effizienzgrenze und diskutierte sie intensiv in der Fachöffentlichkeit. Im Oktober 2009 war das Verfahren so ausgereift, dass das IQWiG die Version 1.0 veröffentlichen konnte.

 

Erste Kosten-Nutzen-Bewertung

Daraufhin erteilte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den ersten Auftrag. Vier Wirkstoffe zur Behandlung von Depressionen sollten auf den Prüfstand. Im Oktober 2013 konnte das IQWIG seinen Abschlussbericht präsentieren. Er enthielt die gewünschten Empfehlungen zu Erstattungspreisen. Mithilfe der Effizienzgrenzen-Methodik hatte es die Berechnungen erfolgreich durchgeführt und kam zu drei zentralen Ergebnissen:

  1. Bei allen vier Wirkstoffen liegt der aktuelle Erstattungsbetrag über dem „angemessenen“ Preis.
  2. Das Verhältnis zwischen dem Nutzen der vier Antidepressiva für die Patienten und dem Betrag, den die Kassen dafür erstatten, fällt unterschiedlich günstig bzw. ungünstig für die vier untersuchten Arzneimittel aus.
  3. Die vom IQWiG gewählte Methode der „Effizienzgrenze“ funktioniert; Kosten-Nutzen-Bewertungen sind machbar.

Effizienzgrenze

Bei dieser Methode werden alle relevanten Interventionen für ein und dasselbe Anwendungsgebiet miteinander verglichen und Werte für ihren Nutzen und ihre Therapiekosten in ein Koordinatensystem eingetragen.

Mehr zur Effizienzgrenze

Patientenpräferenzen

Um die Gewichtung verschiedener Endpunkte aus Patientensicht besser erfassen zu können, erprobte das IQWiG die Conjoint Analyse (CA) und den Analytic Hierarchy Process (AHP). Es stellte sich heraus, dass beide Methoden dazu beitragen können, die für die Patienten wichtigsten Endpunkte zu ermitteln.

Pilotstudie Analytic Hierarchy Process in der Indikation Majore Depression

Pilotstudie Conjoint Analyse in der Indikation Hepatitis C

Aktuelle Situation

Unmittelbar entscheidungsrelevant sind die Ergebnisse dieser ersten KNB nicht mehr. Denn seit Erteilung des Auftrags hat sich die Rechtslage geändert. Seit dem AMNOG ist die KNB für den Fall vorgesehen, dass nach der regelhaften frühen Nutzenbewertung Preisverhandlungen scheitern und auch ein Schiedsspruch zu keiner Preisfestsetzung führt. Dann können Hersteller oder GKV-Spitzenverband eine KNB beantragen.

Zukünftige Rolle der KNB

Mit seiner ersten Kosten-Nutzen-Bewertung hat das IQWiG wissenschaftlich klar gestellt, dass KNB machbar sind. Gesundheitspolitisch bleibt abzuwarten, welche Rolle KNB im deutschen Gesundheitssystem zukünftig einnehmen werden.


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