Brotkrumenpfad

10.11.2005

Hohes Qualitätsniveau im deutschen Gesundheitswesen

Sechs-Länder-Vergleich zeigt aber auch Reformbedarf / Kurzen Wartezeiten und niedrigen Zugangsbarrieren stehen Defizite bei der Patienteninformation gegenüber

Deutschland hat im internationalen Vergleich die kürzesten Wartezeiten, Laborbefunde sind verlässlicher und liegen schneller vor, Patienten haben mehr Möglichkeiten bei der Arztwahl, bekommen im Krankenhaus seltener eine Infektion und wer chronisch krank ist, wird häufiger und regelmäßiger präventiv untersucht. Dennoch sind Deutsche mit ihrem Gesundheitswesen weitaus unzufriedener als Patienten in anderen Ländern. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage unter schwerer erkrankten Erwachsenen in Kanada, Australien, Neuseeland, Großbritannien, den USA und Deutschland. Schwachstellen zeigt das deutsche Versorgungssystem laut Studie bei der Patienteninformation und bei der Koordination zwischen Leistungsebenen.

An der vom Commonwealth Fund (CWF) bereits seit 1999 durchgeführten Erhebung zur Qualität der Versorgung hat sich 2005 erstmals auch die Bundesrepublik beteiligt, wo das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) die Studie leitete (Homepage CWF mit Originalstudie). In diesem Jahr standen diejenigen im Mittelpunkt, die in besonderer Weise auf medizinische Versorgung angewiesen sind: Befragt wurde jeweils eine repräsentative Zufallsstichprobe von Erwachsenen, die einen schlechten Gesundheitszustand haben, an einer chronischen Erkrankung leiden oder sich in den vergangenen beiden Jahren einer schweren Operation hatten unterziehen müssen. In der Bundesrepublik beantworteten 1.474 Männer und Frauen am Telefon durchschnittlich 55 Fragen. Ungewöhnlich dabei war, dass alle, die angesprochen wurden, bereitwillig Auskunft gaben.

"Das Design der Studie erlaubt einen echten Benchmark-Vergleich zwischen den teilnehmen den Ländern", erläutert IQWiG-Chef Peter Sawicki. "So war es möglich, konkrete und behebbare Versorgungsdefizite aufzudecken - und das national wie international. Deutschland schneidet in der Gesamtbilanz sehr gut ab, an einigen Stellen gibt es aber auch hierzulande Raum für Verbesserungen."

Dass deutsche Patienten ihrem Gesundheitswesen in den meisten Einzelaspekten eine hohe Qualität bescheinigen, andererseits grundlegende Reformen für nötig halten, sei paradox: "Wir fahren Mercedes, glauben aber einen reparaturbedürftigen Golf zu steuern", kommentierte Sawicki. Auch während der Gesundheitsministerkonferenz am 3. und 4. November, die anlässlich der Präsentation der Umfrageergebnisse in Washington stattfand, rätselten die internationalen Teilnehmer über diese so nur in der Bundesrepublik zu beobachtende Diskrepanz. Fazit der Diskussion: Deutsche Patienten scheinen mit ihrem Gesundheitssystem wesentlich kritischer umzugehen als Patienten in anderen Länder und vor allem die Nachteile wahrzunehmen.

Kontakt: Tel. 0221/35685-0


Ergebnisliste speichern

Um Ihr Suchergebnis zu speichern, kopieren Sie bitte den unten stehenden Link und fügen Sie ihn in einem neuen Tab/Fenster ein.

schließen