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Evidenzbasierte Medizin (EbM): Warum arbeitet das IQWiG danach?

Die evidenzbasierte Medizin (EbM) ist eine wichtige Grundlage für die Arbeit des Instituts. Der Begriff ist eine etwas unscharfe Eindeutschung des englischen "evidence-based medicine", also eigentlich "beweisgestützte Medizin". Gemeint ist damit eine medizinische Versorgung, die sich nicht allein auf Meinungen und Übereinkünfte stützt, sondern auf Belege ("Evidenz"). Diese Belege sollen mit möglichst objektiven wissenschaftlichen Methoden erhoben worden sein und verlässliche Ergebnisse liefern.

EbM in der Praxis

In der Praxis heißt das, Ärztinnen und Ärzte verlassen sich nicht allein auf individuelle praktische Erfahrungen, sondern beziehen auch die Ergebnisse der aktuellen wissenschaftlichen Forschung in ihre Therapie-Empfehlungen mit ein.

Aus dem aktuellen Fall wird dazu zunächst eine Frage abgeleitet. Diese Frage ist dann Grundlage für die Recherche in der medizinischen Fachliteratur. Werden relevante Studien und Aufsätze gefunden, müssen die Ergebnisse jetzt auf ihre Zuverlässigkeit hin bewertet werden. In Kombination mit der Erfahrung der Ärztin oder des Arztes kann dann über eine maßgeschneiderte Therapie - basierend auf dem bestmöglichen Wissen - für einen Patienten entschieden werden.

Ähnlich geht auch das IQWiG vor. Allerdings ist hier nicht der einzelne Patient Anlass für die Fragestellung, sondern die Frage, ob eine medizinische Maßnahme von den Gesetzlichen Krankenkassen erstattet wird. Aber auch das Institut definiert zunächst eine wissenschaftliche Fragestellung und sucht dann systematisch in der internationalen Fachliteratur nach wissenschaftlichen Belegen (Evidenz) für den Nutzen der Intervention.

Warum nutzt das IQWiG die EbM?

Die evidenzbasierte Medizin will

  • strukturiert und systematisch Antworten auf medizinische Fragen bieten, zum Beispiel, ob eine Behandlung mehr nützt als eine andere.
  • eine hohe Ergebnissicherheit bei Entscheidungen bieten. Ein Standardelement der EbM ist das systematische Auffinden und Zusammenstellen aller qualitativ angemessenen Studien zu einer Frage. So wird der aktuelle Stand des Wissens zusammengefasst.
  • vor Fehlentscheidungen und falschen Erwartungen schützen. Also zum Beispiel vermeiden, dass nützliche Behandlungen nicht in die Versorgung aufgenommen werden oder nutzlose Behandlungen Patientinnen und Patienten schaden können.

All diese Punkte sind für das IQWiG von Bedeutung. Die Gutachten des Instituts sind häufig Grundlage für die Richtlinienentscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Das bedeutet für die Empfehlungen des IQWiG: Sie müssen wissenschaftlich zuverlässig sein.

Mit der evidenzbasierten Medizin lässt sich einschätzen, wie verlässlich das vorhandene Wissen über eine Untersuchungs- und Behandlungsmethode tatsächlich ist. Sie erlaubt aber auch eine Einschätzung darüber, wo gesichertes Wissen fehlt. Dieser Aspekt ist in der Versorgung oft genauso wichtig. Denn nur wenn Wissenslücken bekannt sind, kann gezielt in diesen Bereichen geforscht werden.

Wie sieht eine Nutzenbewertung nach EbM-Kriterien aus?

Ganz allgemein folgt eine evidenzbasierte Nutzenbewertung im Gesundheitswesen folgenden Schritten:

  • Formulierung der Fragestellung mit dem PICO Schema: Patient, Intervention, Vergleichsintervention (Comparison), Zielgrösse (Outcome)
  • Recherche in der medizinischen Fachliteratur
  • Informationsextraktion und -bewertung: Dazu gehört die Beschreibung von Methoden und Ergebnissen der recherchierten Studie und die methodische Bewertung der Ergebnissicherheit und der Anwendbarkeit im jeweiligen Kontext
  • Synthese ("Zusammenschau") und abschließende Beurteilung aller berücksichtigten Unterlagen

Diese Arbeitsschritte werden immer systematisch durchgeführt und sind damit reproduzierbar.


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